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Gesundheitsministerium gibt umfassendes Forschungsprojekt in Auftrag

Mai 18, 2011 by  

Ministerin Barbara Steffens: “Lebenssituation von Contergangeschädigten verbessern”

Fotograf: © MGEPA/ Powierski

In Nordrhein-Westfalen leben rund 800 Contergangeschädigte. Menschen, die mit massiver körperlicher Belastung gelernt haben, Dinge, die ihnen durch die Behinderung kaum möglich, für andere aber selbstverständlich sind, ohne fremde Hilfe zu schaffen. Mit den Füßen den Kaffee zu trinken ist dabei nur ein Beispiel für zahlreiche antrainierte Bewegungsabläufe.

Jetzt, wo die Betroffenen alle im Alter um die 50 sind, treten durch diese Belastungen aber auch früher nicht bekannte Folgeschäden auf. Und es wird jetzt klar, dass andere Unterstützungen für ein selbstbestimmtes Älterwerden notwendig sind, als sie ihnen heute gewährt werden. Damit den Conterganopfern wirksamer geholfen werden kann, brauchen wir Wissen über die Bedarfe.

Gesundheitsministerin Barbara Steffens kündigte heute (16. Mai 2011) in Düsseldorf an, dass das Gesundheitsministerium über das Strategiezentrum Gesundheit in Bochum auf dem Gesundheitscampus Nordrhein-Westfalen eine Forschungsarbeit in Auftrag gegeben hat, die die Versorgung der Betroffenen mit Blick auf ihre gesundheitlichen und psychosozialen Lebensumstände untersuchen soll. “Wir wollen die Lebenssituation der Contergangeschädigten verbessern”, so Steffens.

Die Ergebnisse der Studie werden die Grundlage für einen bedarfsgerechten Ausbau der Versorgung bilden. Ministerin Steffens: “Wir brauchen endlich eine angemessene und am Bedarf der Geschädigten orientierte Unterstützung. Dazu benötigen wir eine umfassende Bestandsaufnahme gerade zu den Folgeschäden und Problemen, die oft erst heute auftreten. Nur so können wir Perspektiven entwickeln, gerade auch vor dem Hintergrund, dass sich für die Betroffenen die Conterganschädigungen und das ‘normale’ Altern häufig negativ verstärken.”

Insbesondere die Langzeitauswirkungen und Spätschäden der in den 1960er Jahren durch Thalidomid bedingten Behinderungen und Beeinträchtigungen der Betroffenen sollen nun eingehend untersucht werden. Ziel ist eine angemessene, an den gesundheitlich begründeten Bedürfnissen orientierte Unterstützung. Im Ergebnis sollen individuell erarbeitete, neue bzw. verbesserte Behandlungs- und Versorgungskonzepte die körperliche und psychische Situation der Contergan geschädigten Menschen in Nordrhein-Westfalen besser berücksichtigen. Zu diesem Zweck sollen repräsentativ rund 200 Contergangeschädigte aus Nordrhein-Westfalen ausführlich medizinisch und psychologisch mit Unterstützung durch persönliche Assistenz in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik in Nümbrecht im Oberbergischen Kreis untersucht werden, wo sie auch eine Behandlungsempfehlung erhalten.

Weil es sich bei den Geschädigten häufig um stark behinderte Menschen handelt, wird das Forschungsvorhaben durch ein so genanntes „Peer-To-Peer” Projekt begleitet. Dabei begleiten speziell geschulte Personen, die selber Contergan bedingte Schädigungen aufweisen (peers), die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer während der Durchführung der Studie und stehen ihnen unterstützend zur Seite. In maximal zwei Jahren soll die Studie abgeschlossen sein.

Der Forschungsauftrag wurde unter Beteiligung einer unabhängigen Jury, in der auch der Verband der Contergangeschädigten in Nordrhein-Westfalen vertreten ist, an die Dr. Becker Klinik Gesellschaft und die Universität zu Köln vergeben. Udo Herterich, erster Vorsitzender des Interessenverbandes Contergangeschädigter Nordrhein-Westfalen, unterstrich, dass die Gespräche mit der Landesregierung stets “auf Augenhöhe” verlaufen sind. “Das war und ist uns besonders wichtig. Wir hatten während der Beratungen nie das Gefühl, mit unseren Anliegen zu kurz zu kommen. Dieser Forschungsauftrag ist einzigartig und für alle Seiten ein Gewinn. Wir können dadurch in Nordrhein-Westfalen ein professionelles und ehrenamtliches Netzwerk aufbauen. Dieses kann dann unterschiedliche Akteure aus dem Gesundheitswesen sowie viele freiwillige Helferinnen und Helfer mit den Betroffenen zusammenbringen”, so Herterich.

Quelle: Ministerium für Gesundheit Nordrhein Westfalen

Conterganopfer wollen Forderungen effektiver durchsetzen!

Januar 4, 2011 by  

Conterganopfer wollen Forderungen effektiver durchsetzen

Pünktlich zum Jahreswechsel vereinbarten die Vorsitzenden bzw. Sprecher des Bundes Contergangeschädigter und Grünenthalopfer e.V. (BCG), des CND – Contergannetzwerkes Deutschland e.V., der Internationale Contergan und Thalidomid Allianz (I.C.T.A.), und des Untersuchungsausschusses Conterganverbrechen (U.A.C.), Udo Herterich (Sprecher der I.C.T.A. / Deutschland), Andreas Meyer (1. Vors. des BCG), Stephan Nuding (Sprecher des U.A.C.und Christian Stürmer (1.Vors. des CND) die gemeinsamen Eckpunkte zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft. Die Arbeitsgemeinschaft gibt sich den Namen “Conterganopfer-Aufbruch 2011” und erklärt für das Jahr 2011:


Contergan Opfer-Aufbruch 2011

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«Wir sind uns einig,
dass wir keinen Keil mehr zwischen uns treiben lassen», hieß es in einer am Montag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. «Wir wollen laut werden», sagte Christian Stürmer, Vorsitzender des Contergannetzwerkes Deutschland (CND) in Ostfildern.
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Wir Geschädigten leiden immer noch an den Folgen:

Der Contergan-Skandal war einer der größten Arzneimittelskandale in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Firma Grünenthal hatte das Beruhigungsmittel Contergan im Oktober 1957 auf den Markt gebracht. Das Medikament verursachte Missbildungen bei Neugeborenen. Im November 1961 wurde das Schlafmittel vom Markt genommen. Zwischen 1958 und 1962 werden allein in Deutschland etwa 4.000 Kinder mit Missbildungen geboren, von denen 2.750 leben.

  • BCG, CND, I.C.T.A. und U.A.C. repräsentieren gemeinsam die große Mehrheit der Conterganopfer in Deutschland. Dementsprechend hat diese Arbeitsgemeinschaft jede Legitimation im Namen der Betroffenen Verhandlungen zu führen, Stellungnahmen abzugeben oder Vereinbarungen zu treffen. Wir fordern die Bundesregierung, die Grünenthaleigentümer-Familie Wirtz, das Wirtz-Konsortium und den Bundesverband auf, dieser Tatsache Rechnung zu tragen.
  • Die Arbeitsgemeinschaft gibt sich den Namen: “Conterganopfer-Aufbruch 2011″. Sie wird durch die Sprecher, bzw. Vorsitzenden der Mitgliedervereine, bzw. Gruppen (im Einstimmigkeitsprinzip) gemeinsam vertreten.
  • Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft werden, bei Beibehaltung der Unabhängigkeit der einzelnen Verbände und Gruppen sowie deren Forderungen, miteinander kooperieren. “Wir sind uns einig, dass wir keinen Keil mehr zwischen und treiben lassen”.
  • Als gemeinsame Mindestforderung einigte sich die Arbeitsgemeinschaft darauf, dass die Grünenthaleigentümer-Familie Wirtz mit ihrem gesamten Firmenkonsortium und die Bundesrepublik Deutschland in Gesamtschuldnerhaftung (also beide bis zur Erfüllung der gesamten Forderungen der Arbeitsgemeinschaft) so Schadensersatz leisten sollen, wie dies unter normalen zivilrechtlichen – (und schon lange öffentlich – rechtlichen) Haftungsmaßstäben üblich ist. Das bedeutet: Vollständiger Ausgleich aller Schäden, insbesondere des Erwerbsschadens (Verlust an Einkommen), Rentenschäden, Gesundheitsschäden etc. und ein entsprechendes Schmerzensgeld.
  • Die Arbeitsgemeinschaft “Conterganopfer – Aufbruch 2011″ fordert die Bundesregierung, das Wirtz-Konsortium und deren Eigentümer- familie Wirtz zur sofortigen Aufnahme von Gesprächen auf, die eine gerechte Regelung der berechtigten Ansprüche der Conterganopfer zum Ziel haben.
  • Die Arbeitsgemeinschaft fordert die Bundesregierung auf, endlich ihren fürsorglichen Pflichten den Conterganopfern nachzukommen und dafür zu sorgen, dass das Wirtz-Konsortium; einschließlich der Firma Grünenthal und ihrer Eigentümer, mit ihrem gesamten Vermögen für den angerichteten Schaden einsteht.
  • Die Arbeitsgemeinschaft fordert weiter eine Verschärfung des Arzneimittelgesetzes, insoweit die Herstellung und der Vertrieb von Arzneimitteln an eine gesetzliche Bedingung der Zuverlässigkeit geknüpft wird, die entfällt, wenn das entsprechende Unternehmen nicht von ihm angerichtete Schäden ausgleicht. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft erklären hierzu: “Es ist unerträglich, dass Pharma-Unternehmen ,wenn sie Schäden angerichtet haben, einfach weitermachen wie zuvor! Das ist gegenüber möglicherweise weiteren Opfern eine nicht zu akzeptierende Regelungslücke des Gesetzgebers. Verantwortungslosen pharmazeutischen Unternehmen gehört “das Handwerk gelegt”!

Historie

März 1971:
In Los Angeles wird ein Schadensersatzprozess gegen Richardson-Merrell eröffnet, der als einziger weltweit mit einem Urteil endet. Das Gericht spricht der Mutter einer contergangeschädigten Tochter 250.000, dem Kind selbst 2,5 Millionen Dollar Entschädigung zu. Noch bevor über einen Antrag auf Berufung entschieden werden kann, einigen sich beide Parteien auf einen Vergleich.

Contergan-Prozess vor 40 Jahren eingestellt – weiter Protest Von Elke Silberer (dpa)

Dezember 12, 2010 by  

Contergan-Prozess vor 40 Jahren eingestellt – weiter Protest    Von Elke Silberer, dpa

12.12.2010 01:30

Contergan – Es gibt keinen verurteilten Schuldigen und keine
Sühne.
Vor 40 Jahren wurde der Strafprozess gegen Grünenthal
eingestellt. Contergan-Opfer leiden bis heute darunter.

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Aachen (dpa) – Die Stimmung ist geladen, höchst feindselig. Auf

1968 Alsdorf bei Aachen der Contergan-Prozessder Anklagebank sitzen der Chef und acht Beschäftigte der Firma
Grünenthal, ihnen gegenüber drei Staatsanwälte. Im Mai 1968 beginnt
mit dem Contergan-Prozess eines der größten deutschen Strafverfahren.
Gut zwei Jahre später, am 18. Dezember 1970, wird das Verfahren
eingestellt. Im Gegenzug verpflichtet sich Grünenthal zur Zahlung von
100 Millionen D-Mark plus Zinsen für die missgebildeten Kinder. Die
Opfer bewerten das rückblickend als verhängnisvolle Entscheidung.

Contergan forte-01Contergan löste einen der größten Arzneimittelskandale aus.
Weltweit kamen 10 000 Kinder mit schweren körperlichen Missbildungen
zur Welt, davon 5000 in Deutschland. Bei Erwachsenen verursachte
Contergan eine Nervenschädigung (Polyneuritis).

Laut einer wissenschaftlichen Untersuchung fragte ein Neurologe
1959 bei Grünenthal an, ob der Contergan-Wirkstoff Thalidomid zu
Nervenschädigungen führen kann. Im selben Jahr weist ein Gynäkologe
einen Außendienstler von Grünenthal darauf hin, dass er Missbildungen
seines Sohnes mit Thalidomid in Verbindung bringt. Im November 1961
nimmt Grünenthal die Präparate aus dem Handel. Fast sieben Jahre
später beginnt der Strafprozess gegen die Mitarbeiter.

Hans Helmut Günter (76) war damals junger Staatsanwalt in dem
Verfahren. Es habe keine Alternativen zur Einstellung des Prozesses
gegeben, sagt er im Wohnzimmer seines Hauses in Aachen – vor sich auf
dem Tisch die vergilbte Anklageschrift, Aktenzeichen 4 JS 987 61:
Vorwurf der fahrlässigen und vorsätzlichen Körperverletzung sowie
fahrlässige Tötung gegen neun Angeklagte aus dem Unternehmen.

Der Prozess war zäh, ein Ende nicht in Sicht. Fraglich war auch,

ob es am Ende überhaupt noch einen verhandlungsfähigen Angeklagten
gegeben hätte. Nach und nach waren vier krank geworden – zuletzt
saßen nur noch fünf im Gerichtssaal. «Wenn alle Angeklagten
ausgeschieden wären, wäre der Prozess geplatzt», erinnert sich
Günter. In dieser Phase beantragte Grünenthal die Einstellung des
Verfahrens.
Die Staatsanwälte handelten mit dem Unternehmen die
Konditionen aus. Die Gespräche gingen manchmal bis tief in die Nacht.

Es ging um Geld. «Es war ein zentraler Punkt, wie viel die Kinder
bekommen. Bei zehn Millionen Mark hätten wir nie Ja gesagt», erzählt

Günter. Bei 100 Millionen plus Zinsen wurde der Deal besiegelt. «100
Millionen waren damals eine Menge Geld.» Weitere 100 Millionen kamen
vom Bund. «Damals sind wir davon ausgegangen, dass die Kinder eine
kürzere Lebenserwartung haben. Heute wissen wir, die werden so alt
wie wir», sagt der Jurist. Das Unternehmen schreibt dazu auf seiner
Internet-Seite: «Grünenthal zahlte freiwillig eine Summe von 114
Millionen DM in die Stiftung “Hilfswerk für behinderte Kinder” ein.»

Das Geld ist längst aufgebraucht. Die Contergan-Stiftung zahlte

nach eigenen Angaben bis Ende 2008 rund 460 Millionen Euro aus. Vom
Hersteller kam mit den umgerechnet 51 Millionen Euro von damals nur
ein Bruchteil. Der Rest sind Steuermittel. Im vergangenen Jahr
leistete Grünenthal noch mal eine «Sonderzahlung» über 50 Millionen

Euro.

«Es wäre wichtig gewesen, wenn es zu einer Verurteilung gekommen
wäre», sagt

Andreas Meyer Bild (dpa)

Contergan-Opfer Andreas Meyer und spricht damit vielen
Betroffenen aus der Seele. Meyer kämpft seit Jahrzehnten erbittert um
Entschädigungen mittlerweile in Milliardenhöhe. Diesen Kampf führt
der Mann im Rollstuhl mit Demonstrationen und Boykottaufrufen.

Deutsche Contergan-Opfer dürfen laut Gesetz nicht gegen Grünenthal klagen.

Eine Folge aus dem Stiftungsgesetz, das die Zahlung der

Contergan-Millionen an die Behinderten regelt. Damit erloschen
automatisch alle potenziellen Ansprüche von Opfern gegen die Firma.
Meyer spricht von «Generalenteignung».

Christian-StürmerAuch für Christian Stürmer vom Contergan-Netzwerk ist das der
eigentliche Skandal – und nicht die Einstellung des Verfahrens. Wegen
dieser gesetzlichen Regelung hat auch nie ein deutsches Gericht über
mögliche Schadensersatzansprüche von Contergan-Opfern entschieden.
Das Netzwerk hat dagegen vor dem Europäischen Gerichtshof für
Menschenrechte geklagt.

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# Notizblock

## Redaktioneller Hinweis:
- Es folgt ein Hintergrund zum Einstellungsbeschluss

## Internet
- [Grünenthal zu Contergan](http://dpaq.de/oW007)

Quelle: http://www.krankenkassen.de/dpa/180537.html

Und das wird die Zukunft sein für den grössten Teil der Contergan-Opfer,

Contergan-Opfer zum betteln gezwungen-01

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wenn unsere deutsche Schutzmacht nicht bald aufwacht. Die meisten der ca. 2752 bis heute noch lebenden Contergan-Opfer

werden in bitterster Armut leben müssen, da Sie selbst durch Ihre schwersten Behinderungen nie einen

Beruf erlernen konnten, geschweige denn einen Schulabschluss erlagen konnten.

Hinzu kommt noch, dass Ihre Eltern, von denen Sie jahrzehntelang aufopferungsvoll gepflegt und versorgt wurden,

langsam aber sich wegsterben. Was den Eltern der sogenannten Contergan-Kinder Jahrzehnte von dem Schädiger

Grünenthal und der mitverantwortlichen Staatsmacht abverlangt wurde, ist schier unmenschlich.

Die heute Regierenden sind aufgefordert schnellstmögliche Abhilfe zu schaffen, es geht nicht an, die Verursacher

zu schützen und die Opfer zu quälen. Jeder Tag ohne eine angemessene Versorgung, die ein Leben mit Teilhabe und

eine menschenwürdige Pflegeversorgung garantiert ist einfach gesagt nicht hinnehmbar.

Contergan-Geschädigte fordern ausreichende Entschädigung

November 29, 2010 by  

Contergan-Geschädigte fordern ausreichende Entschädigung

Köln (epd). Die Teilnehmer der Europäischen Konferenz der Thalidomid- und Contergan-Geschädigten haben an die Pharma-Firma Grünenthal und Regierungen weltweit appelliert, ausreichende Entschädigungen zu leisten. Vertreter von Opferverbänden aus Schweden, Italien, Österreich, England, Kanada, Irland, den Niederlanden, Spanien, Norwegen, Belgien und Deutschland waren am Samstag der Einladung des Interessenverbandes Contergan-Geschädigter NRW nach Köln gefolgt, um über die weltweit sehr unterschiedlichen Leistungen der Sozialsysteme für die Opfer zu sprechen.

Udo Herterich, Vorsitzender des Interessenverbandes Contergan-Geschädigter NRW, sagte, für die etwa 2.500 Thalidomidopfer in Deutschland würden maximal 1.116 Euro pro Monat als Unterstützung gezahlt. Herterich schätzt die Entschädigungssumme für entgangene Lebensfreude, geringere Einkommen und Renten auf eine Millionen Euro pro Person: “Sind wir denn weniger wert als die Geschädigten in England?”

Mikey Argy berichtete aus England, wo monatliche Renten zwischen 3.500 und 5.000 Euro je nach Schwere der Behinderung gezahlt werden. Sie betrachte ihr Engagement für Opfer in England auch als eine Kampagne für die, die noch im Mutterleib an den Wirkungen des Medikaments gestorben seien. “Für uns, die wir leben, fordere ich Gerechtigkeit, Würde und Entschädigung für alle.”

“Kompliziert ist die Situation bei uns in Italien”, berichtete Nadia Malavasi. Die Firma Grünenthal sage, sie habe in Italien niemals Lizenzen für Thalidomid vergeben. Tatsächlich hätten aber vor rund 50 Jahren acht Firmen in Italien 16 Medikamente mit dem Wirkstoff vertrieben, sagte Malavasi. Der italienische Verband der Thalidomidopfer hat 330 Mitglieder. Dort zahlt die Regierung den Angaben nach bis zu 4.010 Euro pro Monat. “Die haben gesagt, wir helfen Euch, schuldig sind wir aber nicht”, sagte Malavasi.

Fiona Cassidy aus Irland kritisiert die damalige irische Regierung. Der sei die Gefährlichkeit des Wirkstoffs Thalidomid bekannt gewesen, habe aber Schwangere aus Angst vor Abtreibungen nicht gewarnt. “Deshalb haben die sieben Monate nichts gesagt und das Präparat so lange nicht vom Markt genommen.”

Michaela Moik aus Österreich berichtete, dass in ihrem Land die Thalidomidopfer lange aus dem Bewusstsein verdrängt worden seien. “Deshalb kennt sich in Österreich auch kein Arzt mit Contergan-Geschädigten aus.” 2,8 Millionen Euro habe die Regierung als Gesamt-Entschädigung versprochen, bisher hätten sich 66 Opfer gemeldet.

Die Stolberger Pharmafirma Grünenthal hatte 1957 das Schlafmittel Contergan mit dem Wirkstoff Thalidomid, nach dessen Einnahme Tausende Frauen missgebildete Kinder bekamen, auf den Markt gebracht. 1961 wurde das Mittel vom Markt genommen. Die über 2.000 Contergan-Opfer in Deutschland erhalten Rentenzahlungen aus der Contergan-Stiftung des Bundes, an der sich die Pharma-Firma Grünenthal 1970 und 2009 jeweils mit 50 Millionen Euro beteiligte.

Internet: www.gruenenthal-opfer.de

epd-West fri

Quelle: http://www.epd.de/west_index_82637.html

Contergan-Opfer bei Sarg-Demo Bild-Zeitung Aachen

November 9, 2010 by  

Artikel in der Bild Aachen Contergan-Opfer bei Sarg-Demo

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