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28. Februar 2010  

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Empfehlungen:

Klaus Huhn- Mord durch Tabletten. Der Fall Contergan

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Mord durch Tabletten. Der Fall Contergan: Band 226..

Mord durch Tabletten. Der Fall Contergan: Band 226
Von Klaus Huhn

Preis: EUR 5,95 Kostenlose Lieferung Details

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Produktinformation

  • Amazon-Verkaufsrang: #138399 in Bücher
  • Veröffentlicht am: 2010-02-18
  • Originalsprache: Deutsch
  • Einband: Broschiert
  • 96 Seiten

Kurzbeschreibung
Seit einem halben Jahrhundert spricht man von einer »Katastrophe«. Erdbeben wie in Haiti oder ein Tsunami sind Katastrophen. Dort wirken Naturgewalten. Profitgier jedoch ist menschlicher Natur. So gesehen war es keine Katastrophe, als ein Pharma-Konzern in der BRD ein Medikament auf den Markt brachte, das ungenügt getestet war, und es noch verkaufte, als bereits verkrüppelte oder nicht lebensfähige Kinder zur Welt kamen, deren Mütter das als Wundermittel gepriesene Medikament Contergan eingenommen hatten. Klaus Huhn untersucht nicht nur den Skandal, ein Lehrbeispiel von skrupelloser Geldmacherei, sondern beantwortet auch die Frage, warum so etwas in der DDR unmöglich gewesen ist. Und er nennt den Namen jenes Mediziners, der dies verhindert hat: Prof. Dr. Friedrich Jung (1915-1997). Der heute diffamierte »Unrechtsstaat« folgte ethischen Prinzipien, von denen andere noch immer träumen.

Über den Autor
Klaus Huhn, geboren 1928 in Berlin, ist seit 1945 publizistisch tätig. Er gehörte zur Gründergeneration des Neuen Deutschland und war bis 1990 dort tätig, 38 Jahre als dessen Sportchef. Er berichtete von 17 Olympischen Spielen und wurde vom Internationalen Olympischen Komitee 1988 mit dem Journalistenpreis ausgezeichnet. Er erwarb sich auch international Ansehen und wurde 17 Jahre lang bis 1993 in den Vorstand des Europäischen Sportjournalistenverbandes (UEPS) gewählt, wo er als Generalsekretär tätig war. Nach seinem Ausscheiden aus dem ND gründete er den Spotless-Verlag, bei dem inzwischen weit über 200 Bücher erschienen, darunter nicht wenige von Klaus Huhn selbst. Die Gesamtauflage der von ihm publizierten Bücher beträgt über drei Millionen Exemplare.

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Wien: Kardinal Schönborn steht Contergan-Opfern zur Seite

12. Februar 2010  





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(c) Die Presse (Teresa Zötl) - Shoshana Duizend-Jensen

(c) Die Presse (Teresa Zötl) - Shoshana Duizend-Jensen

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Duizend-Jensen 01

Duizend-Jensen 01

Duizend-Jensen 01

Duizend-Jensen 02

Sprecherin der österreichischen Selbsthilfegruppe der Contergan-Geschädigten: Vorliegendes staatliches Angebot einer Einmalzahlung als Entschädigung ist nicht ausreichend
11.02.2010

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Christoph Kardinal Schönborn

Wien: Kardinal Schönborn steht Contergan-Opfern zur Seite

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Wien, 11.02.2010 (KAP) Im Ringen um soziale, rechtliche und finanzielle Anerkennung und Besserstellung können die durch das Medikament Contergan in Österreich Geschädigten auf die Unterstützung der Kirche bauen. Kardinal Christoph Schönborn zeigte sich nach einem Empfang einer Delegation der österreichischen Selbsthilfegruppe der Contergan-Geschädigten am Donnerstag im Wiener Erzbischöflichen Palais gegenüber “Kathpress” erschüttert über das geringe Ausmaß an Hilfe, dass diesen Menschen von Seiten der öffentlichen Hand bisher geleistet wurde: “Es ist unbedingt angemessen, dass diesen Menschen, die unverschuldet zu lebenslangen Schäden gekommen sind, umgehend geholfen wird”, so der Wiener Erzbischof.


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Kardinal Schönborn steht Contergan-Opfern

Kardinal Schönborn steht Contergan-Opfern zur Seite

Anfang der 1960er Jahre kam es speziell in Deutschland zu einem Skandal, als die Nebenwirkungen des Beruhigungsmittels Contergan in Form von schweren Missbildungen an den Extremitäten und inneren Organen bei Säuglingen bekannt wurden. Während es in Deutschland und in anderen europäischen Ländern Entschädigungen in Form von Einmalzahlungen und monatlichen Renten gibt, hat sich der österreichische Staat bisher gegen finanzielle Forderungen gesperrt und auf die bestehenden staatlichen Sozialleistungen verwiesen. Derzeit gibt es in Österreich 40 bekannte Fälle von Contergan-Schädigungen.

Mittlerweile hat man laut der Sprecherin der vor zwei Jahren gegründeten Selbsthilfegruppe, Shoshana Duizend-Jensen, von Seiten des Gesundheitsministeriums eine Einmalzahlung von rund 2,5 Millionen Euro zugesagt. Dieses Angebot sei jedoch “bei weitem nicht ausreichend”, so Duizend-Jensen, da es weder die durch Pflege und Betreuung hohen Lebenshaltungskosten von rund 3.000 Euro pro Monat dauerhaft decke noch eine Entschädigung für die vergangenen fünfzig Jahre darstelle. “Wir erwarten uns eine angemessene Entschädigung in Form einer Einmalzahlung und einer monatlichen Rente, wie dies auch in vielen anderen europäischen Ländern üblich ist”, so Duizend-Jensen.

Der ebenfalls zu der Unterredung mit Kardinal Schönborn geladene Präsident des Kriegsopfer- und Behindertenverbandes Wien, Niederösterreich und Burgenland, Michael Svoboda, lud die Selbsthilfegruppe der Contergan-Geschädigten ein, die Kräfte zu bündeln. Konkret schlug er vor, sich gemeinsam für eine Änderung des Impfschadensrechts stark zu machen, das die sozialen Leistungen für die Opfer von medikamentösen Schäden regelt.

O-Töne

Kardinal Schönborn steht Contergan-Opfern

Kardinal Schönborn steht Contergan-Opfern zur Seite...........

Duizend-Jensen 01

Duizend-Jensen 01...........

Duizend-Jensen 02

Duizend-Jensen 02

Verflucht durch die ‘Wunderdroge’

10. Februar 2010  

Thalidomid-Opfer warten heute noch auf eine Entschuldigung Kanada’s

Mercédes Benegbi, Geschäftsführerin der Vereinigung der kanadischen Thalidomid-Opfer, in ihrem Haus in Montréal.

Mercédes Benegbi, Geschäftsführerin der Vereinigung der kanadischen Thalidomid-Opfer, in ihrem Haus in Montréal.

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Das ungetestete Medikament sollte Übelkeit bei schwangeren Frauen kurieren, aber anstelle dessen verursachte es schwere vorgeburtliche Missbildungen bei ihren Kindern.

Am Tag der Geburt von Mercédes Benegbi kam der Priester in ihr Krankenzimmer und verabreichte ihr die letzte Ölung. Von dem kleinen Baby ohne Arme und dem verkümmerten Körperbau erwartete niemand, dass es überleben würde.

Mercédes war ein Thalidomid-Baby – eines von ungefähr 125, die mit starken Missbildungen in Kanada geboren wurden, nachdem ihren Müttern das „Wunder-

Medikament“ verabreicht worden war während der Schwangerschaft. Die düstere Prognose des Priesters in einem Krankenhaus in Montréal stellte sich als verfrüht heraus: Siebenundvierzig Jahre später lebt Mercédes Benegbi immer noch. Und sie und andere Überlebende von Thalidomid wollen, dass Kanada sich für die berüchtigste Medikamentenkatastrophe der Nation entschuldigt.

Die Vereinigung der kanadischen Thalidomid-Opfer (TVAC – Thalidomide Victims Association of Canada), der Frau Benegbi vorsteht, rufen in Ottawa dazu auf,ndem Beispiel Großbritanniens zu folgen, dessen Regierung letzten Monat “sein ernsthaftes Bedauern und seine tiefe Sympathie“ gegenüber den mehr als 460 Thalidomid-Opfern des Landes aussprach.

In Kanada ist der Schock über die Thalidomid-Katastrophe verblasst aber die Schmerzen der Opfer nicht. Kanada’s sogenannte Thalidomid-Babies sind mittlerweile späten mittleren Alters. Ihre körperlichen Kräfte lassen nach und einige sind auf die Pflege alternder Eltern angewiesen. Ihre Vereinigung fordert, dass die kanadische Regierung Zugeständnisse macht.

“Es ist an der Zeit für Kanada, sich für diese Tragödie und ihren Riesenfehler zu entschuldigen“, sagt Frau Benegbi. „Die Entschuldigung ist für uns und unsere Eltern, die sich niedergemacht fühlten, als sie ihre verstümmelten Kinder in die Welt kommen sahen.“

Das kleine blonde Baby, das für tot aufgegeben worden war im Sacré Coeur Krankenhaus, sitzt auf ihrer Wohnzimmercouch neben ihrem Vater Marco, der oben wohnt. Ihre Mutter Colette lebt ihm gleichen Dreifamilienhaus. Vom Tag der Geburt ihrer Tochter an sorgten Marco and Colette für sie und beschützten sie. Marco entwarf eine Art Hockey-Maske, um sie als Kind vor Gesichtsverletzungen zu schützen – ohne Arme konnte sie ihren Fall nicht abfangen. Er trug sie in seinen Armen an ihrem ersten Schultag. Colette schält ihr immer noch die Kartoffeln für ihren „Shepherd’s Pie“ (deftiger Kuchen/Auflauf mit Kartoffelpüree und Hackfleisch). Beide helfen sie ihr mit schweren Einkauftüten. Aber sowie Herr Benegbi älter wird – er ist 85 – , wissen er und seine Tochter, dass sie einer ungewissen Zukunft entgegengehen.

“Du wirst traurig sein, wenn ich eines Tages gehe,” sagt er und reicht über die Couch, um zart die Schulter seiner Tochter zu berühren, wo eine Hand mit missgebildeten Fingern beginnt.

“Wir litten am Anfang sehr,“ sagt Herr Benegbi. „Der Schmerz, ein kleines Kind ohne Arme zu haben, war enorm. Ich war zornig über das verdammte Medikament. Aber die kanadische Regierung wusch ihre Hände in Unschuld, wie Pontius Pilatus.“

Thalidomid, eingesetzt, um Übelkeit und Schlaflosigkeit bei schwangeren Frauen zu bekämpfen, wurde Ende 1959 auf den Markt gebracht, ohne dass die kanadischen offiziellen Gesundheitsstellen das Medikament getestet hatten. Es wurde für die Verschreibung lizensiert am 1. April 1961. Im Dezember diesen Jahres wurde das Medikament in West-Deutschland und Großbritannien vom Markt genommen, da es alarmierende Meldungen über schwerwiegende vorgeburtliche Schädigungen gab: Babies wurden ohne Arme oder Beine geboren, einige ohne Ohren, einige mit internen Organschäden.

Doch für weitere drei Monate blieb Thalidomid in Kanada erhältlich. Die Vereinigten Staaten hingegen ließen das Medikament nie zu.

Ironischerweise war es eine in Kanada geborene Ärztin, Frances Kelsey, die sich gegen den Druck des Pharmaunternehmens , das Medikament zuzulassen.

Heute führen einige der kanadischen “Thalidomider”, wie sie sich selbst nennen, ein erfülltes Leben, mit Arbeitsstellen, Ehepartnern und Kindern. Die meisten hingegen, leben in permanentem Kampf, wie die Opfervereinigung sagt. Frau Benegbi, die für alle Opfer in Kanada spricht, hört herzerweichende Geschichten

von Armut und Vereinsamung. Einige Kinder wurden von ihren Eltern gemieden. Vier sind in den vergangenen sechs Jahren aufgrund von Komplikationen bedingt durch ihre Behinderung verstorben, bleiben noch 96 in Kanada geborene Überlebende.

Ihre Eltern hingegen leben ebenfalls mit dem Erbe des Medikamentes. Anne Marie Bainbridge, 70, erhielt 1961 Thalidomid von ihrem Hausarzt in Quebec, als sie in ihrer vierten Schwangerschaft unter Übelkeit litt.

„Hier gibt es etwas Neues,“ sagte ihr der Doktor. Frau Bainbridge nahm neun Tabletten.

Nach der Geburt ihrer Tochter verabreichte der Arzt ihr Beruhigungsmittel über Tage hinweg und lies sie ihr Baby nicht sehen. Als sie endlich aus dem vernebelten Zustand auftauchte, riet man ihr, keine Bindung einzugehen, da das Kind nicht überleben würde. Das Baby mit dem Namen Bernadette wurde in ein Pflegeheim für sechs Monate eingewiesen, bis Frau Bainbridge sie abholen ging. Diese Tochter, mittlerweile eine 47-Jährige genannt Bernie, lebt mit Frau Bainbridge und ihrem Ehemann Chuck in Whitby (Ontario). Frau Bainbridge obliegen die täglichen Arbeiten wie Haarekämmen und Wundpflege aufgrund medizinischer Eingriffe. Ihr Ehemann fährt sie zu Arztterminen und zum Einkaufen.

Bernie, die geboren wurde mit flossenähnlichen Händen, ohne rechtes Ohr und einer teilweisen Gesichtslähmung, ist eine vollendete Aquarellkünstlerin aber bleibt vollständig abhängig von ihren Eltern.

Frau Bainbridge hat eine Serie von Schlaganfällen erlitten. Weder sie noch ihre Tochter wollen über die Zukunft näher nachdenken.

„Wir beide beten jede Nacht, dass Gott uns jetzt zu sich nehmen möge. Ich möchte sie nicht zurücklassen, und sie möchte nicht, dass ich vor ihr sterbe. Sie kann die Idee nicht ertragen, noch zu leben, wenn wir nicht mehr da sind,”sagt Frau Bainbridge.

Kanada entschädigte die Thalidomid-Opfer 1991; die Einmalzahlung von 80.000 Can$ im Durchschnitt waren eine Kulanzzahlung, d.h. Ottawa akzeptierte keine rechtliche Schuld. Zu dieser Zeit wusste keiner, wie lange die Thalidomid Überlebenden noch leben würden, geschweige denn, mit welchen gesundheitlichen Problemen sie sich konfrontiert sehen würden.

Frau Bainbridge sagt, sie fühle sich machtlos, gegen das Ottawa Paket anzugehen. Sie fühlte sich unter Druck gesetzt bei der Unterzeichnung einer früheren Vergleichs mit dem kanadischen Medikamenten-Vertriebsunternehmen; Familien wurden zu dieser Zeit gezwungen, Vertraulichkeitserklärungen zu unterschreiben, um die Bedingungen geheim zu halten.

„Ich fühlte, dass ich nichts bekommen würde, wenn ich nicht unterschriebe,“ sagte sie. „Aber wenn ich wirklich und wahrhaftig das Ausmaß gekannt hätte, in welchem Bernie für den Rest ihres Lebens leiden würde, hätte ich nie unterschrieben.

Damals schien es eine Menge Geld zu sein, aber in Wirklichkeit war es nur ein Almosen.“

Grundlegende Dinge wie Physiotherapie sind für einige zu teuer. Louis Gaudry aus Winnipeg sagt, er würde gerne seine Rücken- und Genickschmerzen bedingt durch seine Behinderung lindern, aber er kann die Kosten nicht tragen. Der 47-jährige, der sein ganzes erwachsenes Leben erfolglos versucht hat, Arbeit zu finden hat auch überlegt, ein erhobenes Computer-keyboard Tablett zu erwerben, um seinem Interesse an Webdesign nachzugehen. Ein Betrag von 300 Can$ “liegt außerhalb meines Rahmens,” sagte er.

Die Überlebenden haben Zeit ihres Lebens für den Fehler eines Anderen bezahlt.

Einige haben gelernt, die Zähne mit ihren Füßen zu putzen, oder sie sind auf die Hilfe von außen für so etwas Grundlegendes wie Haarewaschen angewiesen, da ihre Hände nicht ranreichen. Ihre Körper bauen schnell ab. Für Frau Benegbi ist das Anziehen ihrer Strümpfe eine tägliche hoch schmerzhafte Herausforderung, da sie sich komplett vornüber beugen muss, um ihre Füße zu erreichen. Wenn sie morgens fertig angezogen ist, ist sie total erschöpft.

Nach Meinung der War Amps1, die die Kampagne für die Entschädigung der Thalidomid- Opfer durch die kanadische Regierung anführten, können die kanadischen offiziellen Stellen sich nicht aus der Verantwortung in der Tragödie stehlen.

“Die Konsequenzen dieses besonderen Regierungsfehlers waren so katastrophal,“ sagte der aus Ottawa stammende Anwalt Brian Forbes, der Rechtsberater der War Amps. „Wenn Sie über die Probleme nachdenken, die [die Opfer] gehabt haben mit Arbeitsfindung, Wohnraum, Verkehr, nur ihre Lebensfreude – es geht immer weiter. Ich bin mir nicht sicher, ob die Regierung je fühlen sollte ‚Na ja, der Fall ist abgeschlossen.’ Ich denke, die Regierung hat eine andauernde Verpflichtung.

“Die Opfer fühlen, dass die Regierung zumindest eine Art Entschuldigung für ihre krasse Vernachlässigung vorbringen sollten.”

Roger Vadeboncoeur, ein Arzt in einer Rehabilitationsklinik in Montréal, der viele Thalidomid-Patienten behandelt, sagt, er sei überwältigt worden durch die Widerstandskraft der Überlebenden. Trotzdem altern sie zu schnell, sagt er, und in einer Studie in 2020, an der 26 Thalidomid-Opfer teilnahmen, fand man heraus, dass viele sich gesundheitlichen Problemen gegenüber sahen.

“Diese Leute haben mich berührt. Sie beschweren sich nur wenig, und viele haben trotz ihrer Behinderung Erfolg gehabt,“ sagte Dr. Vadeboncoeur, ein Arzt am Institut de réadaptation Gingras-Lindsay. „Aber je mehr Jahre ins Land gehen desto härter wird es sein, zurecht zu kommen aufgrund der Schmerzen. Sie mögen klar gekommen sein im Alter von 25 oder 30, aber es wird immer schwieriger mit den Belastungen der täglichen Tätigkeiten umzugehen.“

Die Thalidomider Gruppe hat eine Anwaltskanzlei in Ottawa damit beauftragt, aktuelle Daten zu ihren Lebensumständen zu sammeln. Dies geschieht mit Blick darauf, finazielle Unterstützung zu erhalten, so dass sie die ihnen noch verbleibenden Jahre in Würde verbringen können.

Aber in vieler Hinsicht bedeutet eine Entschuldigung noch mehr. „Wenn jemand dir Unrecht getan hat, ist es nur menschlich zu sagen ‚es tut mir

leid’,“ sagt Anne Marie Bainbridge. „Jemand sollte aufstehen und sagen ‚ich war dafür verantwortlich’. Niemand hat das je getan.”

ZEITSCHIENE EINER TRAGÖDIE

Fälschlich gefeiert als ein Wundermedikament war Thalidomid in Kanada nur über einige kurze Jahre erhältlich, aber es verursachte lebenslangen Schaden an 125 Babies.

Thalidomid ist eine teratogene2 chemische Substanz, die Missbildungen beim Foetus bewirkt. Das Ausmaß des Schadens hängt vom Zeitpunkt der Einnahme während der Schwangerschaft ab. Der am häufigsten auftretende Geburtsschaden in Verbindung mit dem Medikament war Phocomelie, abgeleitet vom griechischen Wort phoke, was so viel wie „Seehund“ heißt, und melos, was übersetzt „Gliedmaßen“ bedeutet. Hände, Füße oder beides beginnen unmittelbar an Schulter bzw. Hüfte.

1957 wird Thalidomid in West-Deutschland auf den Markt gebracht. Es wird als Wundermedikament gepriesen, das einen “sicheren und tiefen Schlaf” verspricht und eine Behandlung der Übelkeit bei Schwangeren.

1959 beginnt die William S. Merrell Company of Cincinnati, Ohio, die Entwicklung von Thalidomid unter dem Markennamen Kevadon. Thalidomid kommt als Muster nach Kanada.

April 1961 wird Thalidomid lizensiert als rezeptpflichtiges Medikament in Kanada.

November-Dezember 1961 wird Thalidomid in West-Deutschland und Großbritannien vom Markt genommen, da Beweise vorliegen, die es in Verbindung zu vorgeburtlichen Missbildungen bringen.

Im März 1962 wird Thalidomid vom kanadischen Markt zurückgezogen. Um die 125 Babies sind bereits mit Missbildungen geboren.

1998 lässt die FDA3 das Medikament zur Behandlung von Komplikationen in Verbindung mit Lepra zu. Die FDA verspricht, es zu einer der am engsten eingeschränkten Medikationen zu machen, die jemals auf den Markt gebracht wurden.

2006 wird Thalidomid in den USA zur Behandlung des Multiplen Myeloms zugelassen, einer Form des Blutkrebses, unter strengst kontrolliertem Vertrieb. Ingrid Peritz

2 Fehlbildungen bewirkend

3 US Food and Drug Administration – Zulassungsbehörde der USA u.a. für Medikamente

Übersetzung: Maria Bergner-Willig

Original: „Cursed by ‘miracle drug,’ thalidomide victims wait for Canada’s apology”

The Globe and Mail, 05.02.2010

http://www.theglobeandmail.com/news/national/cursed-by-miracle-drug-thalidomide-victims-wait-for-canada’s-apology/article1458417/

Government apologises over Thalidomide

7. Februar 2010  

UK says sorry to Thalidomide Babies.

7. Februar 2010  

Beitrag ORF2 26.05.2008 Contergan

5. Februar 2010  

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