Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 05.05.2011
27. Oktober 2010

Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung
am 05.05.2011
“Teilhabe jetzt!” in Heidelberg

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Foto: Aktion Mensch / Dominik Buschardt
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Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2011, 2012, 2013
| Datum | Event | Ort |
|---|---|---|
| 05.05.2011 | Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2011 | Europa |
| 05.05.2012 | Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2012 | Europa |
| 05.05.2013 | Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2013 | Europa |
| 05.05.2014 | Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2014 | Europa |
| 05.05.2015 | Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2015 | Europa |
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Conterganopfer zum Betteln gezwungen….
25. Oktober 2010
Ein Leben mit Contergan

Bochum. Edgar (49) hat schon sein Leben lang mit einer Behinderung zu kämpfen. Seine Arme sind dank Contergan verkrüppelt. Jetzt wirbt er mit einem Schild in der Fußgängerzone um Unterstützung:
„Ich bitte um eine Spende – Danke!“
Mit viel Geschick fischt Edgar das Feuerzeug aus der Tasche. Er dreht es zwischen seinen verkrüppelten Fingern, knipst zweimal. Dann brennt die Zigarette in seinen Mundwinkeln. „Ein Sturmfeuerzeug“, sagt der 49-Jährige.
Er braucht’s. Steht er doch bei Wind und Wetter in der Fußgängerzone. Was er will, weiß jeder sofort: „Ich bitte um eine Spende“, steht auf dem Schild, das Edgar um den Hals trägt. Und: „Danke!“
Das Schicksal des gebürtigen Kasslers ist auf den ersten Blick zu erkennen. Seine Hände und Arme sind verkümmert. „Contergan“, sagt er. Die Mutter nahm vor 50 Jahren in der Schwangerschaft das Schlafmittel. Der Säugling kam behindert zurWelt. Die Behinderung bringt ihm jetzt eine monatliche Rente von 1000 Euro ein. Dafür muss das Pharma-Unternehmen Grünenthal aufkommen.
Edgar zuckt mit den Schultern. Das Geld helfe ihm kaum, über die lebenslange Behinderung hinweg. Er erinnert sich: „Ich wurde von Kindheit an gepiesackt.“ Man glaubt ihm gerne, wenn er sagt, dass er eigentlich von Anfang an kaum eine berufliche Perspektive hatte, keine Chance zum Aufstieg. Nach der Schulzeit auf dem Behinderteninternat habe er eine Lehre als Maschinenbauer gemacht. „Direkt danach war ich dann arbeitslos.“
Von den 1000 Euro finanziere er sich eine kleine Wohnung. Das Geld reiche für Miete, Nebenkosten und ein paar Lebensmittel. Mehr sei nicht drin, seit er keine Unterstützung von der Arge mehr bekomme. „Die wollten mich arbeiten schicken“, sagt er. Die Job-Agentur habe ihm einen Posten als Nachwächter in Frankfurt angeboten. „Wie soll ich denn dort hinkommen?“
Das Schild helfe ihm beim Betteln weiter. Edgar zögert: „Es bringt etwas mehr.“ Es sei aber nicht viel, was so im Laufe eines Tages zusammenkomme. „7,40 Euro waren es gestern.“ Mehr sei nicht drin.
Seit zwei Jahren stehe er jetzt hier auf der Straße. Edgar wandert auf und ab. Mal steht er vor der Drehscheibe, mal vor dem Schuhgeschäft an der Kortumstraße. Eine Frau greift Edgar von hinten über die Schulter und steckt etwas in die Büchse. Nicht alle Menschen seien so freundlich, sagt er. „Ich bin schon oft beschimpft worden.“
Wenn der Arbeitstag auf der Straße vorbei ist, dann gehe er nach Hause. Er versorge sich selbst. „Alles“, sagt er. Viel Freizeitprogramm habe er nicht. „Radio hören, was essen und danach Geschirr spülen. Ab und zu mache er etwas mit Freunden. „Ich bin nur froh, dass ich ein Dach über dem Kopf habe.“
Die Hoffnung auf einen Job sei noch nicht dahin. Er kommt auf den Nachtwächterberuf zurück. Das sei aber für ihn hier in der Region wohl aussichtslos. „Die nehmen heute alle Rentner. Die sind billiger.“
Auch mit Grünenthal hat Edgar noch nicht seinen Frieden gemacht. „Die könnten mehr zahlen, dann bräuchten wir nicht hier ‘rumzulaufen.“
Quelle: http://www.derwesten.de/staedte/bochum/Ein-Leben-mit-Contergan-id3533261.html
Contergannetzwerk Link
25. September 2010
Auf dieser Seite finden sich profunde Informationen rund um das Thema Contergan – Hintergründe, Sachstände, Schicksale, Diskussionen, spezifische Fachportale zum Thema Gesundheit und Recht !!
“Europa hängt schief, wie Grünenthal! Gleiche Abfindung! Überall!”
1. Juni 2010
Europa hängt schief, wie Grünenthal! Gleiche Abfindung! Überall! 1/2
Europa hängt schief, wie Grünenthal! Gleiche Abfindung! Überall! 2/2
Europa hängt schief, wie Grünenthal! Gleiche Abfindung! Überall!
Quelle: http://www.kuhle-wampe-mc-quadrat.de/aktuell/?hist&show=20
http://www.i-c-t-a.org/aktuell/
http://www.i-c-t-a.org/fotostrecke/?dir=0000
http://www.kuhle-wampe-mc-quadrat.de/aktuell/?hist&show=18
EUROPA HÄNGT SCHIEF
Pünktlich zum “Bad in der Menge” auf dem Marktplatz Aachens schaltete sich ein akustischer “Whirlpool” ein: aus mindestens 15 Kehlen ertönte unüberhörbar eine Viertelstunde lang ca.150 mal:
“Europa hängt schief, wie Grünenthal!
Gleiche Abfindung! Überall!”
Im Hintergrund stand gut einsehbar für die Promis die schiefe Grünenthal-Contergan-Waage mit hunderten Schaulustigen drumherum, die über Flugblätter gut informiert waren, worum es hier ging.
Daß nämlich Michael Wirtz von der Firma Grünenthal im Karlpreis-Direktorium sitzt und Europa feiert, während die Contergan-Opfer europaweit höchst unterschiedlich und ohne Ausnahme viel zu schlecht abgefunden werden.
Daß zum Beispiel die Betroffenen in Spanien bis heute keinen Cent erhalten haben, weil sich Grünenthal bis heute hinter der Lüge des Faschisten Franco versteckt, es habe in Spanien kein Contergan gegeben.
Die anschließende Demo zum Landgericht, dem Kennedypark und dem Werk Grünenthal war dann sozusagen das Sahnehäubchen obendrauf.
Eingerahmt von zwei Polizeifahrzeugen fuhr der Feuerwehr-Transit mit der Waage auf dem Anhänger voraus und die gut behängte große Feuerwehr hinterdrein. Dazwischen sehr relaxed und souverän unsere kleine aber sehr, sehr feine Gruppe von ca. 20 Betroffenen und Symphis.
Kann man mehr von einem 13. Mai erwarten, der mit knapp 5 Grad Celsius begonnen und ausnahmsweise den Regen mal kurz eingestellt hatte?
Ich finde: NEIN!
Von Nord (Borken), Süd (München) und Ost (Dortmund, Bochum) brachten wir mehrere Tausend Kilometer Anfahrts-Strecke zusammen und vertraten damit bundesweit einige tausend Betroffene, die gerne dabei gewesen wären, aber aus den verschiedensten Gründen nicht gekonnt hatten.
Und es waren aus diesen Richtungen nicht nur die Personen, sondern mit ihnen auch Plakate, Nudelsalate, Frikadellen, heißer Kaffee, etc. angereist.
Wie gesagt: eine sehr, sehr feine Gruppe, die eine Menge Perspektive für die Zukunft bietet.
Zum Beispiel zum Internationalen CHIO in Aachen.
Auch hier baden sich die Grünenthaler gerne in der “High Society” bzw. “haute volée” Aachens und werden sehr ungern daran erinnert, daß doch Contergan “zu ihrer Firmengeschichte gehört”, wie sie durchaus selbstkritisch, aber äußerst versteckt, auf ihrer eigenen Homepage vermerken.
Von dieser Homepage (grunenthal.com) kommen seit Himmelfahrt täglich 10 bis 20 Besucher auf unsere Homepage. Ob es Michael Wirtz persönlich ist oder “nur” seine Werbe-Manager sei dahingestellt. Aber es macht Mut und Hoffnung. Schließlich fängt ein vernünftiger Dialog nicht ohne “Zuhören” an.
Dieser Himmelfahrtstag hat eine Menge bewegt.
Zunächst einmal uns selber, die wir vor einem halben Jahr mit den Vorbereitungen angefangen hatten und im Verlaufe dessen unschätzbare Erfahrungen gemacht haben. Allein die Anmeldung dieser “Versammlung” war ein Erlebnis der besonderen Art. Selten soviel Sympathie und gleichzeitig Stolpersteine zwischen die Beine geworfen bekommen.
Das Größte an dieser Aktion war dann am Tag selber die Truppe, die trotz Kälte und Regen im äußersten Westen der Republik zusammengekommen ist. Auf die kann man sich verlassen. Bei denen weiß man, woran man ist. Die haben Biss und wissen ihre Mitbetroffenen solidarisch zu vertreten.
Viele haben uns zugemailt, daß sie liebend gerne gekommen wären, aber hunderte Kilometer, Kosten, Termine und nicht zuletzt auch fehlende Gesundheit im Wege standen.
Vielen, vielen Dank all denen! Wir haben gerne, wirklich gerne für Euch mit demonstriert und werden dies auch beim nächsten Mal genauso wieder tun.
Wir werden nun schauen, daß sich der Aufwand mit der Waage noch eine Weile weiter lohnt. Mit anderen Worten: wir werden mit dem Anhänger noch eine Weile in der Stadt rumfahren und ihn vor Grünenthal und an anderen passenden Plätzen abstellen.
Dies werden wir natürlich nicht “unbewacht” machen können, sonst ist die Waage plötzlich so lädiert wie Grünenthal.
Viele Grüße und nochmal vielen Dank
Moni und Rainer
Menschenkette Berlin 5. Mai 2010 (Contergan Demo Berlin)
17. Mai 2010
Menschenkette am 05. Mai 2010 in Berlin vom Brandenburger Tor zum Reichstag. Zum Europäischen Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.
Müssen sie sich erst kreuzigen?
10. Mai 2010
Dokumentarfilm über die spanischen Contergangeschädigten. Kampf für Gerechtigkeit und Entschädigung mit den britischen Contergan-Opfer.
Gleichstellung für alle! UN-Behindertenrechtskonvention
8. Mai 2010
Gleichstellung für alle
Anlässlich des Europäischen Protesttages für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen haben diverse Verbände, Vereine, aber auch Einzelpersonen am Mittwoch eine Menschenkette gebildet.
Unter dem Motto „Inklusion – Dabei sein von Anfang an“ wurde ein Licht weitergegeben und so symbolisch das Brandenburger Tor mit dem Deutschen Bundestag verbunden. Ziel der Aktion war es, der Politik den Weg zur Inklusion, also zur gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderung, zu weisen. So forderten die Teilnehmer unter anderem, die UN-Behindertenrechtskonvention rasch umzusetzen und ein umfassendes Diskriminierungsverbot.
Conterganopfer suchen Gerechtigkeit in Straßburg
19. April 2010
Conterganopfer suchen Gerechtigkeit in Straßburg
Von “Filder-Zeitung”, aktualisiert am 22.03.2010 um 04:31
Ostfildern. Der Ruiter Christian Stürmer gibt sich nach einer Schlappe am Bundesverfassungsgericht nicht geschlagen. Von Karen Schnebeck
Der Ruiter Jurist Christian Stürmer und seine Mitstreiter halten es für fraglich, ob sie in Deutschland “jemals Gerechtigkeit für Conterganopfer” erstreiten können. Deshalb wollen sie vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ziehen.
Der 48-Jährige, der selbst unter schweren Behinderungen an den Beinen und Armen leidet, traut der deutschen Gerichtsbarkeit offenbar nicht mehr viel zu. Wie so viele andere hatte seine Mutter das Arzneimittel Contergan genommen, das Ende der 50er Jahre häufig gegen Schwangerschaftsübelkeit verschrieben worden war, obwohl dem Hersteller Hinweise vorgelegen haben sollen, wonach es zu Missbildungen bei Föten führen könnte.
Stürmer und eine Reihe von anderen Contergan-Opfern hatten sich zu dem bundesweiten Verein Contergan-Netzwerk zusammengeschlossen und eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingebracht. Darin forderten sie Entschädigungen für die 2800 noch lebenden Contergangeschädigten in Deutschland.
Bislang erhalten die Opfer eine maximale Rente von monatlich 1116 Euro, aber keine weiteren Entschädigungen, wie sie unter anderem Kriegsversehrten, Impfgeschädigten oder Opfern von Gewalttaten zustehen. Nicht ein Cent an Schmerzensgeld sei je an die Opfer gezahlt worden, kritisiert Stürmer. “Während in Italien Renten in Höhe von 4000 Euro und in Großbritannien 3 500 Euro an gezahlt werden, hat der deutsche Staat sämtlicher Ansprüche gegen die Herstellerfirma Grünenthal ausgeschlossen, ohne hierfür vergleichbaren Ersatz zu leisten”, argumentiert Stürmer.
Das Bundesverfassungsgericht hat die Klage aber nicht zur Entscheidung angenommen. In der Begründung hieß es unter anderem, dass Kriegsversehrte ein “Sonderopfer” für den Staat erbracht hätten und Opfer von Gewalttaten versorgt werden müssten, weil der Staat keinen wirksamen Schutz gegen kriminelle Gewalttaten bieten könne. Stürmer kritisiert, dass sich das Gericht die Argumentation des Staates einseitig zu eigen gemacht habe.
Mit der Schlappe an Deutschlands höchstem Gericht will sich Stürmer nicht geschlagen geben. “Das Thema Contergan bedarf einer objektiven Bewertung”, so Stürmer. Es scheine so, als könne Deutschland das Problem aus eigener Kraft nicht lösen. Daher sei die Anrufung des Europäischen Gerichtshofes unausweichlich.
Conterganopfer verklagen Deutschland in Straßburg
19. März 2010
Conterganopfer verklagen Deutschland in Straßburg
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Conterganopfer verklagen Deutschland in Straßburg
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Ostfildern (ddp). Im Kampf um zivilrechtliche Entschädigungszahlungen wollen deutsche Conterganopfer vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg ziehen. Das Bundesverfassungsgericht habe eine Verfassungsbeschwerde von 15 Contergangeschädigten nicht zur Entscheidung angenommen, teilte der Vorsitzende des «Contergan-Netzwerks», Christian Stürmer, am Donnerstag in Ostfildern mit.
Die Beschwerdeführer machen geltend, dass in Deutschland Contergangeschädigte neben der monatlichen Rente von maximal 1116 Euro keine zivilrechtlichen Entschädigungszahlungen erhielten, wie sie etwa Kriegsversehrten, Impfgeschädigten oder Opfern von Gewalttaten zustünden. Nicht ein Cent an Schmerzensgeld sei je an deutsche Conterganopfer gezahlt worden, sagte Stürmer.
Der Contergan-Skandal war einer der größten Arzneimittelskandale in der Geschichte der Bundesrepublik. Das Beruhigungsmittel kam im Oktober 1957 auf den Markt und verursachte Missbildungen bei Neugeborenen. Im November 1961 wurde das Schlafmittel vom Markt genommen.
Der Bundestag hatte im Mai 2009 eine Änderung des Conterganstiftungsgesetzes beschlossen mit dem Ziel, die finanzielle Absicherung der Geschädigten zu verbessern. Gestaffelt über 25 Jahre fließen demnach insgesamt 100 Millionen Euro in jährlichen Sonderzahlungen an die Betroffenen. Die Hälfte des Geldes kommt aus der Conterganstiftung des Bundes, die andere Hälfte von der Firma Grünenthal, die das Medikament auf den Markt gebracht hatte. In Deutschland leben heute rund 2800 Contergan-Geschädigte.
Was Contergan so gefährlich machte
12. März 2010
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. DATUM 12.3.2010 – 11:09 Uhr . QUELLE ZEIT ONLINE, dpa
Der Conterganskandal ist beispiellos in der Medizingeschichte: Jetzt haben Forscher herausgefunden, wie dessen Wirkstoff Thalidomid Fehlbildungen ausgelöst haben könnte.
© Stefan Puchner/dpa
Japanische Forscher könnten herausgefunden haben, wie Thalidomid Fehlbildungen verursacht
Schwangere nahmen es als Mittel gegen morgendliche Übelkeit mit verheerenden Folgen. Als Beruhigungs- und Schlafmittel gepriesen, führte Contergan in den 1960-er Jahren zu einem beispiellosen Medizinskandal. Der Wirkstoff Thalodomid schädigte die Entwicklung von Embryos im Mutterleib. Frauen brachten Säuglinge mit verstümmelten Armen, Beinen oder Ohren zur Welt. Rund 10.000 Babys waren weltweit betroffen. Wie der Wirkstoff die Fehlbildungen allerdings auslöste, war bis vor kurzem gänzlich unbekannt.
Japanische Forscher sind durch Tierversuche nun einen Schritt weitergekommen: Sie fanden heraus, dass Thalidomid an das körpereigene Eiweiß Cereblon (CRBN) bindet und es blockiert. Takumi Ito und seine Kollegen vom Institut für Technologie in Tokio schreiben im Wissenschaftsmagazin Science, dass CRBN in einem Komplex von körpereigenen Stoffen wirke, der maßgeblich für die Entwicklung von Gliedmaßen im Embyro verantwortlich sei. Durch die Thalidomid-Bindung jedoch werde das Eiweiß in seiner Aufgabe behindert.
Dies könnte direkt zur Fehlbildung in den ungeborenen Säuglingen führen. Noch ist aber nicht eindeutig klar, ob dies der einzige und ausschließliche Mechanismus ist. Thalodomid könne zudem dazu beitragen, dass sich Gefäße nicht richtig entwickeln oder sich Substanzen bilden, die einzelne Zellen schädigen.
Hinzu kommt, ob die Forschungsergebnisse, die an Zebrafischen und Hühnern erzielt wurden, überhaupt auf den Menschen übertragbar sind. Dennoch wollen die Wissenschaftler ihre Erkenntnisse nutzen, um “sichere” Thalidomid-Formen zu entwickeln und suchen nun nach Möglichkeiten, die katastrophalen Nebenwirkungen auszuschalten. Denn schwere Lepra-Formen und Knochenmarkkrebs lassen sich zum Teil wirksam mit dem Wirkstoff behandeln.
Doch auch diese Behandlung ist offenbar nicht ungefährlich. In Südamerika wurde auch schwangeren Lepra-Patientinnen Thalodomid verabreicht. Daraufhin kam es zu vermehrten Fällen von Säuglingen mit Fehlbildungen. Ob ein direkter Zusammenhang zwischen dem Contergan-Wirkstoff und den Fehlbildungen besteht, ist aber nicht eindeutig geklärt.
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