Gleichstellung für alle! UN-Behindertenrechtskonvention
8. Mai 2010
Gleichstellung für alle
Anlässlich des Europäischen Protesttages für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen haben diverse Verbände, Vereine, aber auch Einzelpersonen am Mittwoch eine Menschenkette gebildet.
Unter dem Motto „Inklusion – Dabei sein von Anfang an“ wurde ein Licht weitergegeben und so symbolisch das Brandenburger Tor mit dem Deutschen Bundestag verbunden. Ziel der Aktion war es, der Politik den Weg zur Inklusion, also zur gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderung, zu weisen. So forderten die Teilnehmer unter anderem, die UN-Behindertenrechtskonvention rasch umzusetzen und ein umfassendes Diskriminierungsverbot.
Conterganopfer suchen Gerechtigkeit in Straßburg
19. April 2010
Conterganopfer suchen Gerechtigkeit in Straßburg
Von “Filder-Zeitung”, aktualisiert am 22.03.2010 um 04:31
Ostfildern. Der Ruiter Christian Stürmer gibt sich nach einer Schlappe am Bundesverfassungsgericht nicht geschlagen. Von Karen Schnebeck
Der Ruiter Jurist Christian Stürmer und seine Mitstreiter halten es für fraglich, ob sie in Deutschland “jemals Gerechtigkeit für Conterganopfer” erstreiten können. Deshalb wollen sie vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ziehen.
Der 48-Jährige, der selbst unter schweren Behinderungen an den Beinen und Armen leidet, traut der deutschen Gerichtsbarkeit offenbar nicht mehr viel zu. Wie so viele andere hatte seine Mutter das Arzneimittel Contergan genommen, das Ende der 50er Jahre häufig gegen Schwangerschaftsübelkeit verschrieben worden war, obwohl dem Hersteller Hinweise vorgelegen haben sollen, wonach es zu Missbildungen bei Föten führen könnte.
Stürmer und eine Reihe von anderen Contergan-Opfern hatten sich zu dem bundesweiten Verein Contergan-Netzwerk zusammengeschlossen und eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingebracht. Darin forderten sie Entschädigungen für die 2800 noch lebenden Contergangeschädigten in Deutschland.
Bislang erhalten die Opfer eine maximale Rente von monatlich 1116 Euro, aber keine weiteren Entschädigungen, wie sie unter anderem Kriegsversehrten, Impfgeschädigten oder Opfern von Gewalttaten zustehen. Nicht ein Cent an Schmerzensgeld sei je an die Opfer gezahlt worden, kritisiert Stürmer. “Während in Italien Renten in Höhe von 4000 Euro und in Großbritannien 3 500 Euro an gezahlt werden, hat der deutsche Staat sämtlicher Ansprüche gegen die Herstellerfirma Grünenthal ausgeschlossen, ohne hierfür vergleichbaren Ersatz zu leisten”, argumentiert Stürmer.
Das Bundesverfassungsgericht hat die Klage aber nicht zur Entscheidung angenommen. In der Begründung hieß es unter anderem, dass Kriegsversehrte ein “Sonderopfer” für den Staat erbracht hätten und Opfer von Gewalttaten versorgt werden müssten, weil der Staat keinen wirksamen Schutz gegen kriminelle Gewalttaten bieten könne. Stürmer kritisiert, dass sich das Gericht die Argumentation des Staates einseitig zu eigen gemacht habe.
Mit der Schlappe an Deutschlands höchstem Gericht will sich Stürmer nicht geschlagen geben. “Das Thema Contergan bedarf einer objektiven Bewertung”, so Stürmer. Es scheine so, als könne Deutschland das Problem aus eigener Kraft nicht lösen. Daher sei die Anrufung des Europäischen Gerichtshofes unausweichlich.
Conterganopfer verklagen Deutschland in Straßburg
19. März 2010
Conterganopfer verklagen Deutschland in Straßburg
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Conterganopfer verklagen Deutschland in Straßburg
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Ostfildern (ddp). Im Kampf um zivilrechtliche Entschädigungszahlungen wollen deutsche Conterganopfer vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg ziehen. Das Bundesverfassungsgericht habe eine Verfassungsbeschwerde von 15 Contergangeschädigten nicht zur Entscheidung angenommen, teilte der Vorsitzende des «Contergan-Netzwerks», Christian Stürmer, am Donnerstag in Ostfildern mit.
Die Beschwerdeführer machen geltend, dass in Deutschland Contergangeschädigte neben der monatlichen Rente von maximal 1116 Euro keine zivilrechtlichen Entschädigungszahlungen erhielten, wie sie etwa Kriegsversehrten, Impfgeschädigten oder Opfern von Gewalttaten zustünden. Nicht ein Cent an Schmerzensgeld sei je an deutsche Conterganopfer gezahlt worden, sagte Stürmer.
Der Contergan-Skandal war einer der größten Arzneimittelskandale in der Geschichte der Bundesrepublik. Das Beruhigungsmittel kam im Oktober 1957 auf den Markt und verursachte Missbildungen bei Neugeborenen. Im November 1961 wurde das Schlafmittel vom Markt genommen.
Der Bundestag hatte im Mai 2009 eine Änderung des Conterganstiftungsgesetzes beschlossen mit dem Ziel, die finanzielle Absicherung der Geschädigten zu verbessern. Gestaffelt über 25 Jahre fließen demnach insgesamt 100 Millionen Euro in jährlichen Sonderzahlungen an die Betroffenen. Die Hälfte des Geldes kommt aus der Conterganstiftung des Bundes, die andere Hälfte von der Firma Grünenthal, die das Medikament auf den Markt gebracht hatte. In Deutschland leben heute rund 2800 Contergan-Geschädigte.
Was Contergan so gefährlich machte
12. März 2010
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. DATUM 12.3.2010 – 11:09 Uhr . QUELLE ZEIT ONLINE, dpa
Der Conterganskandal ist beispiellos in der Medizingeschichte: Jetzt haben Forscher herausgefunden, wie dessen Wirkstoff Thalidomid Fehlbildungen ausgelöst haben könnte.
© Stefan Puchner/dpa
Japanische Forscher könnten herausgefunden haben, wie Thalidomid Fehlbildungen verursacht
Schwangere nahmen es als Mittel gegen morgendliche Übelkeit mit verheerenden Folgen. Als Beruhigungs- und Schlafmittel gepriesen, führte Contergan in den 1960-er Jahren zu einem beispiellosen Medizinskandal. Der Wirkstoff Thalodomid schädigte die Entwicklung von Embryos im Mutterleib. Frauen brachten Säuglinge mit verstümmelten Armen, Beinen oder Ohren zur Welt. Rund 10.000 Babys waren weltweit betroffen. Wie der Wirkstoff die Fehlbildungen allerdings auslöste, war bis vor kurzem gänzlich unbekannt.
Japanische Forscher sind durch Tierversuche nun einen Schritt weitergekommen: Sie fanden heraus, dass Thalidomid an das körpereigene Eiweiß Cereblon (CRBN) bindet und es blockiert. Takumi Ito und seine Kollegen vom Institut für Technologie in Tokio schreiben im Wissenschaftsmagazin Science, dass CRBN in einem Komplex von körpereigenen Stoffen wirke, der maßgeblich für die Entwicklung von Gliedmaßen im Embyro verantwortlich sei. Durch die Thalidomid-Bindung jedoch werde das Eiweiß in seiner Aufgabe behindert.
Dies könnte direkt zur Fehlbildung in den ungeborenen Säuglingen führen. Noch ist aber nicht eindeutig klar, ob dies der einzige und ausschließliche Mechanismus ist. Thalodomid könne zudem dazu beitragen, dass sich Gefäße nicht richtig entwickeln oder sich Substanzen bilden, die einzelne Zellen schädigen.
Hinzu kommt, ob die Forschungsergebnisse, die an Zebrafischen und Hühnern erzielt wurden, überhaupt auf den Menschen übertragbar sind. Dennoch wollen die Wissenschaftler ihre Erkenntnisse nutzen, um “sichere” Thalidomid-Formen zu entwickeln und suchen nun nach Möglichkeiten, die katastrophalen Nebenwirkungen auszuschalten. Denn schwere Lepra-Formen und Knochenmarkkrebs lassen sich zum Teil wirksam mit dem Wirkstoff behandeln.
Doch auch diese Behandlung ist offenbar nicht ungefährlich. In Südamerika wurde auch schwangeren Lepra-Patientinnen Thalodomid verabreicht. Daraufhin kam es zu vermehrten Fällen von Säuglingen mit Fehlbildungen. Ob ein direkter Zusammenhang zwischen dem Contergan-Wirkstoff und den Fehlbildungen besteht, ist aber nicht eindeutig geklärt.
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SCHLAGWORTE
Wirkstoff | Medizin |Behinderter | Forschung
BBC Online Thalidomid Wirkung Rätsel gelöst
12. März 2010
Quelle: BBC Online Thalidomid Wirkung Rätsel gelöst
“Berlin wirbt um Brasilien.” Besuch von Außenminister Guido Westerwelle – Stationen Brasilia, Sao Paulo, Rio de Janeiro.
12. März 2010
“Berlin wirbt um Brasilien.” Financial Times Deutschland. Besuch von Außenminister Guido Westerwelle – Stationen Brasilia, Sao Paulo, Rio de Janeiro. Günter Nooke: “Unsägliche Folterpraxis in Brasilien.” ThyssenKrupp in Rio de Janeiro. Peter Scholl-Latour, Helio Bicudo, jüdischer Weltsozialforum-Erfinder Oded Grajew.
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Die UNO-Menschenrechtskommission in Genf befaßt sich mit dem Gefängnishorror in Lateinamerikas größter Demokratie.
: “Das große Problem Brasiliens ist heute, daß der offizielle Diskurs nichts mit der politischen Praxis zu tun hat. Es wird weiter gefoltert und exekutiert, die Lage in den Gefängnissen ist nach wie vor grauenhaft und es gibt weiterhin Todesschwadronen und Sklavenarbeit. Echte Reformen werden durch wirtschaftliche und politische Interessen verhindert.”
Gefängnishorror unter Lula und Genfer UNO-Menschenrechtskommission: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/03/08/gefangnisse-unter-lula-uno-menschenrechtskommission-in-genf-befast-sich-erstmals-mit-gegen-gesetz-und-verfassung-verstosenden-haftbedingungen-im-teilstaat-espirito-santo-dossier-mit-fotos-von-zerstu/
Gefangenenpriester Günther Zgubic aus Österreich: http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/29/osterreichischer-pfarrer-und-gefangenenseelsorger-gunther-zgubic-in-brasilien-weiter-folter-in-allen-varianten-eine-deutsche-frau-wurde-unglaublich-mit-elektroschocks-kaputtgemacht-psychisch-ner/
“Trotz des Anti-Folter-Gesetzes wird in ganz Brasilien weitergefoltert”: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/02/24/trotz-des-anti-folter-gesetzes-wird-in-ganz-brasilien-weitergefoltert-nicht-selten-aus-sadistischem-vergnugen-am-foltern-cecilia-amin-castro-exekutivsekretarin-der-kommission-fur-gerechtigkeit/
“Brasilien kein Rechtsstaat”: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/02/28/brasilien-ist-kein-rechtsstaat-war-nie-ein-rechtsstaat-konstatiert-bundeszentrale-fur-politische-bildungbonn-in-einer-analyse-des-lateinamerikaexperten-rudiger-zoller-lulas-brasilienweiterhin/
Tim Cahill (Mitte), Brasilienexperte von Amnesty International in London, in Slum von Sao Paulo.
“Das große Problem Brasiliens ist heute, daß der offizielle Diskurs nichts mit der politischen Praxis zu tun hat. Es wird weiter gefoltert und exekutiert, die Lage in den Gefängnissen ist nach wie vor grauenhaft und es gibt weiterhin Todesschwadronen und Sklavenarbeit. Echte Reformen werden durch wirtschaftliche und politische Interessen verhindert.”
Atom-Hermesbürgschaft für Brasilien: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/01/28/atom-burgschaft-fur-brasilien-bundesverband-christliche-demokraten-gegen-atomkraftcdak-kritisiert-mogliche-fdp-interessenkollision-der-fdp-politikerin-ulrike-flach/
Jüdischer Weltsozialforum-Erfinder Oded Grajew zu deutsch-brasilianischer Atom-Kooperation, deutschen Automultis in Brasilien: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/01/28/der-judische-weltsozialforum-erfinder-oded-grajew-uber-die-deutsch-brasilianische-atomkooperation-weltsozialforum-2010/
« Gefängnishorror unter Lula: UNO-Menschenrechtskommission in Genf befaßt sich erstmals mit gegen Gesetz und Verfassung verstoßenden Haftbedingungen im Teilstaat Espirito Santo. Dossier mit Fotos von Zerstückelten. Günter Nooke, Oded Grajew. Deutscher Außenminister Guido Westerwelle besucht Brasilien. – Deutscher Außenminister Guido Westerwelle in Buenos Aires. “Es wird ein Kernanliegen meiner Außenpolitik sein, Türen für deutsche Unternehmer zu öffnen.” Reise-Schwerpunkt Brasilien mit Drei-Tage-Aufenthalt. Brasilia, Sao Paulo, Rio de Janeiro. »
Der Contergan-Prozeß Ostern sind wir zu Hause!”
11. März 2010
………………………………..(Hier können Sie weiter lesen, bitte hier klicken)
Contergan WDR.de
9. März 2010
INTERNATIONALER FRAUENTAG
8. März 2010

| INTERNATIONALER FRAUENTAG | 08.03.2010 |
Reportage: Managerin ohne Spitzengehalt
In Deutschland ist vor wenigen Wochen die Familienmanagerin des Jahres 2009 ausgezeichnet worden: Anita Langmann, eine Niederösterreicherin die es auf bemerkenswerte Weise schafft unzählige Aufgaben zu erfüllen.
Die 40-jährige Anita Langmann ist eine – wie jetzt auch offiziell bestätigt – exzellente Familienmanagerin.
Seit drei Jahren hilft ihr ein Begleithund bei gewissen Tätigkeiten, die ihr durch ihre verkürzten Arme und fehlenden Daumen schwer fallen. Sie selbst ist ein Conterganopfer und wurde mit verkürzten Armen geboren.
Drei Kinder: Ein Sohn hat Down-Syndrom
Neben ihrer Teilzeitbeschäftigung bei der BH in Melk meistert Anita Langmann ihren Alltag, die fünfköpfige Familie – und versucht, ihrem fast 17-jährigen Sohn Philip, der am Down-Syndrom leidet, die beste Ausbildung zu ermöglichen.
Sie selbst hatte da weniger Glück. “Ich hätte gern die Modeschule in Krems besucht, die haben mich gleich abgelehnt. In St. Pölten hat die Handelsschule uns nicht einmal Aufnahmebögen geschickt.”
Diese Erfahrungen haben Anita Langmann, nach eigenen Angaben, geprägt. “Ich habe sicher daraus gelernt und gehe vielen auf die Nerven, weil ich nicht locker lasse.” Ihr Sohn war vom Kindergarten bis zur Hauptschule in ganz normalen Klassen integriert.
Von klein auf mit Behinderten leben lernen
Integration ist ein wichtiges Thema für Anita Langmann. Sie engagiert sich in verschiedenen Selbsthilfegruppen.
“Es gibt nichts besseres, als das man Menschen von klein auf kennelernen, welche Bedürfnisse bei behinderten Menschen vorherrschen und wie man untereinander umgeht”, so die Familienmanagerin des Jahres 2009.
Zur Auszeichnung: “Hätte es nie gedacht”
Bei so viel Iniative, kommt die Auszeichnung zur Familienmanagerin in Berlin gerade recht.
Die dreifache Mutter zeigt sich überwältigt, “ich hätte es nie gedacht – man hat das Gefühl, dass es von den anderen auch anerkannt wird.”
Ganz nebenbei holt Anita Langmann übrigens derzeit die Matura an der Abendschule nach.
| Familien-Managerin 2009 |
VIDEO:
Die Österreicherin Anita Langmann ist die Gewinnerin der Initiative Familien-Managerin des Jahres. Die Entscheidung wurde am Donnerstag in berlin bekanntgegeben. Die Unternehmensgruppe Vorwerk ehrt mit dem Preis besondere Leistungen von Müttern und Vätern. Die 40-Jährige Anita Langmann managt eine fünfköpfige Familie, arbeitet als Angestellte und macht „nebenbei“ ihr Abitur nach. Außerdem engagiert sich die contergangeschädigte Österreicherin in einer Selbsthilfegruppe und fördert intensiv ihren ältesten Sohn, der mit Down-Syndrom zur Welt kam.
Weitere Links: http://www.network-karriere.com/index.php?module=News&func=display&lang=en&sid=18141
http://www.ots.at/presseaussendung/OBS_20100204_OBS0012
http://www.presseportal.de/pm/19484/1556199/vorwerk_co_kg
http://www.lisa-freundeskreis.de/projekte-und-produkttests/gewaehlt-die-familien-managerin-2009
http://www.bunte.de/lifestyle/mut-zur-familie-familien-managerin-2009-gekuert_aid_14988.html
http://www.morgenpost.de/berlin/leute/article1251814/Unternehmen-ehrt-Anita-Langmann.html
http://kundendienst.orf.at/programm/fernsehen/orf2/stoeckl/90509.html#2
Die Eltern eines conterganbehinderten Kindes erzählen “Verantwortliche kamen ungestraft davon”
7. März 2010
Contergan

Contergan-Opfer
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Die Eltern eines conterganbehinderten Kindes erzählen
“Verantwortliche kamen ungestraft davon”
Von Stefanie Hallberg
Für Evelin Neuenfeldt war es ein Schock, als 1961 ihr Sohn mit Missbildungen zur Welt kam.
Sie und ihr Mann waren später Nebenkläger im Contergan-Prozess. Mit dem Ausgang des Verfahrens sind sie noch immer unzufrieden.

Evelin Neuenfeldt* fällte es nach wie vor schwer, über die Geburt ihres Sohnes Jürgen zu sprechen. Über die Freude, dass nach zwei Mädchen nun ein Junge zur Welt gekommen war. Das betretene Schweigen der Krankenschwestern. Den Schock, als sie ihr Kind auf den Bauch gelegt bekommt und sieht, dass Arme und Hände missgebildet sind. “Ich habe geweint, geweint, geweint”, erinnert sie sich. Hinzu kam, dass niemand wusste, warum Jürgen geschädigt war. “Nicht nur wir, auch die Ärzte tappten im Dunkeln”, erzählt die 70-Jährige. ” Zunächst dachte niemand an Contergan.”
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Gafferei und Gerede
Zurück daheim ist die Familie mit ungewohnten Reaktionen der Umwelt konfrontiert. ”Die Leute guckten, drehten sich um und noch einmal. Die Gafferei und das Gerede waren anfangs schlimm. “Evelin Neuenfeldt hat zunächst Hemmungen, mit ihrem Baby vor die Tür zu gehen. Erst mit der Zeit gewöhnen sich die Menschen an den Anblick von Jürgens zu kurzen Armen und missgebildeten Händen.
Verein gegründet
Probleme gibt es auch bei alltäglichen Dingen wie dem Laufen lernen: Jeder Sturz ist gefährlich, da sich der Junge nicht richtig abstützen kann. Die Eltern fragen sich: Worauf müssen wir bei Hosen, Hemden, Socken, Schuhen achten, sodass sich Jürgen selbst an- und ausziehen kann? Wie schaffen wir es, dass er alleine essen kann? Fragen, die sich auch andere Betroffene im Raum Düsseldorf stellen. Über das Gesundheitsamt, das alle Contergan-Fälle dokumentiert, finden sie Kontakt. Als Jürgen anderthalb Jahre alt ist, treffen sich die Eltern von 40 Conterganbehinderten. Sie gründen den Verein “Schutzgemeinschaft für gliedmaßengeschädigte Kinder”.
In Hotels und Gaststätten nicht willkommen

Stadt und Verein helfen
Im Verein werden Erfahrungen ausgetauscht, Informationen weitergegeben, die gegenseitige Hilfe steht im Mittelpunkt. “Hier erfuhren wir, dass in Köln jemand spezielle Fahrräder für unsere Kinder bauen kann”, erzählt Wilhelm Neuenfeldt. Oder dass es eine spezielle Vorrichtung gibt, die den Kindern den Gang auf die Toilette erleichtert. Er selbst organisiert Urlaubs- und Freizeitfahrten, weil “in vielen Hotels und Gaststätten Behinderte nicht willkommen waren und Gäste sich beschwerten. Doch es kommt auch Hilfe von außen: “Das Gesundheitsamt hat sich engagiert und mit seinem Einfluss sehr geholfen. “Wir besprachen, was anstand, und die Stadt Düsseldorf reagierte.” So wird ein spezieller Kindergarten gegründet, später eine Behindertenschule.
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“Wir wollten die Schuldigen bestraft sehen”

Jürgen und eine Schwester
Jürgen ist noch im Kindergarten, als die Nachricht kommt, dass Anklage gegen mehrere verantwortliche Mitarbeiter von erhoben werden soll. Als 1968 der Prozess bei Aachen eröffnet wird, befinden sich auch die Neuenfeldts unter den vielen Nebenklägern. “Wir wollten unseren Sohn finanziell abgesichert und die Schuldigen bestraft sehen”, sagt Evelin Neuenfeldt. Doch schon während des Prozesses kommen Zweifel, ob die Ziele erreicht werden. “Der Staatsanwalt hat einem manchmal leid getan, weil er gegen die geballte Kraft des Heers der Grünenthal-Verteidiger nicht ankam”, meint Wilhelm Neuenfeldt. “Auch wenn ich es nicht beweisen kann, ich hatte den Eindruck, dass auch die Politik Einfluss auf das Verfahren nahm, um eine mögliche Grünenthal-Pleite wegen hoher Opferentschädigungen zu verhindern.”
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Folgeerscheinungen unterschätzt

Jürgen auf Freizeitfahrt
Die Neuenfeldts sind vom Ausgang des Prozesses, der ohne Urteil eingestellt wurde, enttäuscht. “Die Verantwortlichen konnten nach Hause gehen, sich zurücklehnen und zufrieden sein. Sie kamen ungestraft davon.” Auch die der Kinder sei nicht so ausgefallen, dass sie heute davon sorgenfrei leben könnten. “Zuerst dachten wir, 100 Millionen Mark sei viel Geld. Wer konnte ahnen, dass die der Missbildungen so schwer sein würden?”
Dass die Betroffenen auf weitere Regressansprüche verzichteten, sieht Wilhelm Neuenfeldt als Fehler an. “Zumindest den Schwerstgeschädigten hätte man die Möglichkeit einräumen sollen, ihren Fall später neu bewerten zu lassen. Aus heutiger Sicht hat Grünenthal die Sache finanziell gut überstanden.” Jürgen, der früher als technischer Zeichner arbeitete, lebt nun von einer Erwerbsunfähigkeits-, Grundsicherungs- und Conterganrente in Höhe von monatlich 545 Euro. Wegen seiner Schädigungen und den Folgeerkrankungen musste er den Beruf aufgeben.
* Namen geändert
Der Wirkstoff, das Medikament und die Folgen
Die Chronik der Contergan-Tragödie
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